Alles zum Aufbau deines Bewerbungsschreibens

 

Aller Anfang ist schwer. Das gilt besonders für das Bewerbungsschreiben. Du kennst das sicher: Du starrst Ewigkeiten auf ein leeres Worddokument und findest einfach nicht den richtigen Einstieg. Mir ist es am Anfang meiner Berufslaufbahn auch so gegangen. Ich wusste einfach nicht, wie ich anfangen sollte, was man in ein Bewerbungsschreiben schreibt und wie man es aufbauen soll. 

 

Ein paar Dinge sind ja noch selbstverständlich: Absender, Empfänger, Ort und Datum und Betreff… aber was dann? Einleitung, Hauptteil, Schluss… das kannte ich noch aus der Schule, aber wie sollte das genau bei einem Bewerbungsschreiben aussehen? Geht es dir auch so? Dann werden dir die folgenden Tipps hoffentlich beim Aufbau deines Bewerbungsschreibens helfen. 

 

Sehr geehrte Damen und Herren...

 

Die gute alte Anrede - damit kann man ja nichts falsch machen, oder? Doch, das kann man schon. Wenn in der Stellenanzeige ein konkreter Ansprechpartner genannt ist, musst du diesen unbedingt persönlich ansprechen. Wenn du das nicht tust, wirkt es so, als hättest du einfach eine Standardvorlage an mehrere Firmen geschickt und dir die Stellenanzeige nicht mal richtig angeschaut. Das kommt gar nicht gut an. Du musst dein Bewerbungsschreiben immer an die aktuelle Bewerbung anpassen. Man merkt nämlich als Teamleiter oder Personaler sofort, ob du dir Zeit genommen hast, ein persönliches Bewerbungsschreiben zu verfassen. Hast du das nicht getan, schließen die meisten daraus, dass dir die Stelle nicht wirklich wichtig ist. Also, immer genau die Stellenanzeige durchlesen und die Kontaktperson persönlich ansprechen. 

 

Ist keine Kontaktperson angegeben, solltest du einen Blick auf die Website der Firma werfen. Vielleicht kannst du ja da zumindest eine Ansprechperson in der Personalabteilung herausfinden. Besonders kleine bis mittelgroße Unternehmen geben oft eine Kontaktperson aus jeder Abteilung auf ihrer Website an. Da du dir ja sowieso die Website der Firma anschauen musst, um herauszufinden, ob die Firma dich anspricht und es dir dort gefallen könnte, sollte dieser Schritt kein großer Aufwand sein. Nur wenn es dir wirklich nicht gelingt, eine Kontaktperson zu identifizieren, kannst du die allgemeine Anrede verwenden. 

 

Hiermit bewerbe ich mich für…

 

Gähn! Das ist so langweilig! Lös dich von den Standardfloskeln! Im Bewerbungsschreiben musst du herausstechen, nicht dich an die Masse anpassen. Das Bewerbungsschreiben ist deine Chance, den Arbeitgeber zu überzeugen, dich zum Vorstellungsgespräch einzuladen. Dazu musst du aber etwas Besonderes bieten. Mit den Standardfloskeln tust du das sicher nicht. 

 

Aber wie soll ich dann einsteigen, fragst du dich? Bevor du mit dem Schreiben beginnst, solltest du die Stellenanzeige genau analysieren und dir Notizen machen, auf die du für den gesamten Bewerbungsprozess zurückgreifen kannst. Zuerst solltest du dich fragen, warum die Stelle dich anspricht. Was interessiert dich an dem Job, an der Firma, an der Branche? Dann solltest du die Anforderungen markieren, die du erfüllst und dir dazu je ein bis zwei Beispiele aus deiner bisherigen Berufserfahrung überlegen, die deine Eignung unterstreichen. Das machst du sowohl für die Hard Skills als auch für die Soft Skills. Meine gratis Bewerbungscheckliste hilft dir dabei, die nötigen Infos aus der Stellenbeschreibung herauszufiltern. Schließlich ist es wichtig, den Stil der Firma herauszufinden. Siezen oder Duzen sie in der Stellenanzeige? Klingt die Anzeige eher förmlich oder “jung und dynamisch”? Benutzen sie bestimmte Schlagworte oder Fachbegriffe? Das alles brauchst du, um ein wirkliches personalisiertes Bewerbungsschreiben zu schreiben. 

 

Wenn du diese Informationen gesammelt hast, kannst du loslegen. Überlege dir jetzt einen persönlichen Einstieg, der genau zu dieser Firma passt. Da kannst du zum Beispiel ansprechen, was dich besonders an der Firma oder der Stelle anspricht. Achte dabei darauf, einen ähnlichen Stil wie die Firma in der Stellenanzeige zu treffen. Der Arbeitgeber wird bewusst oder unbewusst wahrnehmen, dass ihr die “gleiche Sprache” sprecht und dadurch hast du gleich eine Beziehung mit dem Arbeitgeber hergestellt. 

 

Auf den Inhalt kommt es an

 

Der weitere Aufbau des Bewerbungsschreibens ist nicht so tragisch und es ist dir überlassen, wie du das Schreiben strukturierst. Das Bewerbungsschreiben sollte aber nicht länger als eine Seite werden, denn die meisten Arbeitgeber haben wenig Zeit, um sich mit den vielen Bewerbungen auseinander zu setzen. Daher ist es wichtig, schnell auf den Punkt zu kommen und die wichtigsten Anforderungen in der Stellenanzeige zu adressieren. Meiner Erfahrung nach hat es sich bewährt, einen Absatz zur Motivation, einen zu den Hard Skills und einen zu den Soft Skills zu schreiben. 

 

Du solltest dich aber auf jeden Fall auf konkrete Anforderungen der Stellenanzeige beziehen und dafür kurz und knackig die besten Beispiele aus deiner Berufslaufbahn liefern. Bei den Hard Skills kannst du Beispiele bringen, wie du die Umsätze gesteigert hast, die Qualität verbessert hast, ein Projekt erfolgreich geleitet hast, usw. Bei den Soft Skills bringst du Beispiele zu Teamarbeit, Zusammenarbeit, Kommunikation, je nachdem was in der Stellenanzeige gefordert ist. 

 

Passion, Baby! 

 

Wichtig für das gesamte Bewerbungsschreiben ist allerdings, dass du nicht in Standardfloskeln verfällst, sondern dass deine Persönlichkeit durchscheint. Auf einer Karrieremesse haben mir kürzlich über zwanzig Arbeitgeber bestätigt, dass ihnen am wichtigsten ist, dass Kandidaten authentisch sind. Sie suchen nämlich keine Roboter, die eine bestimmte Aufgabe ausführen können, sondern Menschen, die mit Begeisterung bei der Sache sind, gut ins Team passen und dem Unternehmen über einige Zeit erhalten bleiben. 

 

Bring also ein bisschen Leidenschaft in dein Anschreiben! Schreibe darüber, was dir an der Arbeit besonders Spaß macht und was dich besonders anspricht. Damit meine ich nicht Formulierungen wie “An der Stelle interessiert mich besonders…”, sondern “Ich liebe es, mit Kunden zu arbeiten und ihre Probleme zu lösen.” oder “Es macht mir besonders Spaß, Konferenzen zu organisieren, die passenden Vortragenden auszuwählen und sicherzustellen, dass alles reibungslos abläuft.”. 

 

Als Teamleiterin von internationalen Teams ist mir aufgefallen, wie passiv wir im Deutschen unsere Bewerbungsschreiben formulieren. Bei englischen Bewerbungen ist immer viel mehr Dynamik und Leidenschaft drin. In deutschen Bewerbungen findet man zum Beispiel sehr häufig Formulierungen wie “zu meinen Aufgaben zählte”, “ich konnte Erfahrung sammeln”, “ich konnte meine Kenntnisse einsetzen” und “ich war zuständig für” vorkommen. 

 

Der Fokus liegt also stark darauf, die fachliche Eignung zu belegen, und nicht sich als Person zu präsentieren. Das wirkt fast so, als wären wir im beruflichen Umfeld alle nur Fachleute, aber keine Menschen mit Interessen und Persönlichkeit. Natürlich interessiert sich der Arbeitgeber für deine Qualifikationen, aber er will auch dich als Person kennenlernen. Unternehmen suchen immer mehr nach Persönlichkeiten, die das Team und Unternehmen bereichern. Verabschiede dich also von den passiven und förmlichen Formulierungen und bring ein bisschen von deiner Persönlichkeit in den Text. 

 

Call to action

 

Ziel deines Bewerbungsschreibens ist natürlich eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, damit du sie persönlich von dir überzeugen kannst. Daher kannst du auch am Schluss des Bewerbungsschreibens Begeisterung und Motivation reinbringen, zum Beispiel so: “Ich freue mich auf die Gelegenheit, Sie persönlich kennenzulernen und meine Qualifikation und Motivation persönlich mit Ihnen zu besprechen. Um einen Termin zu vereinbaren erreichen Sie mich am besten unter …”. 

 

Das Wichtigste beim Bewerbungsschreiben ist also nicht der Aufbau, sondern wie du dich präsentierst. Es geht nicht um Formalien, es geht um dich, deine Fähigkeiten und deine Motivation. Also zerbrich dir nicht zu viel den Kopf, was der beste Aufbau für das Bewerbungsschreiben ist. Konzentriere dich lieber auf den Inhalt und darauf, dich bestmöglich zu präsentieren.