Die leidige Frage zum Lebenslauf: Foto ja oder nein?

 

Im deutschsprachigen Raum sind Lebensläufe mit Foto immer noch sehr gefragt und fast jeder Ratgeber wird sagen, dass man unbedingt ein Foto braucht. Im englischen Sprachraum ist ein Foto im Lebenslauf dagegen ein No Go. Dort möchte man Diskriminierung aufgrund von Aussehen, Hautfarbe, Geschlecht etc. vermeiden, daher sind Fotos in Lebensläufen geradezu verpönt. Es kommt also darauf an, wo du dich bewirbst, ob du ein Foto in den Lebenslauf aufnehmen solltest oder nicht.  

 

Bei einer Karrieremesse habe ich vor kurzem mehrere Arbeitgeber gefragt, ob ein Lebenslauf ohne Foto ein Ausschlusskriterium ist. Die Antwort war ganz klar: niemand wird mit Foto bevorzugt oder ohne Foto benachteiligt. Allerdings sehen die deutschsprachigen Arbeitgeber gerne Fotos im Lebenslauf. Sie sagen, dass sie so einen besseren ersten Eindruck vom Bewerber gewinnen. 

 

Mir persönlich geht es da ähnlich. Ich habe in Deutschland und in Österreich gearbeitet und bin daher schon eher ein Fan von Fotos. Aber das liegt wahrscheinlich daran, dass ich das so gewöhnt bin. Auf der anderen Seite habe ich aber schon so unglaublich viele richtig schlechte Fotos in Lebensläufen gesehen, dass ich mit voller Überzeugung sage:

 

Lieber kein Foto, als ein schlechtes 

 

Ich habe mich schon oft gefragt, was sich manche Leute dabei denken, wenn sie Fotos für ihre Lebensläufe aussuchen. Es sagt einem doch der Hausverstand, dass ein unscharfes Foto genauso ungeeignet ist wie ein Urlaubsfoto. Die Palme im Hintergrund wirkt nicht professionell, ebenso wenig das Cocktailkleid auf der Dachterrasse, der Selfie mit Bierflasche vom letzten Wochenende oder der Kleiderschrank im Hintergrund. 

 

Das sind keine aus der Luft gegriffenen Beispiele, das habe ich wirklich alles schon so gesehen. Natürlich solltest du auf dem Foto authentisch wirken, aber jede von uns hat eine private und eine professionelle Seite. Wenn du kein passendes professionelles Foto hast, lass eines machen. Und wenn du kein Geld für einen vernünftigen Fotografen hast, dann lass es lieber ganz weg. 

Spieglein, Spieglein an der Wand...

 

Überlege dir, was du mit deinem Foto aussagen willst. Wie willst du dich darstellen? Ich habe festgestellt, dass viele meiner Kundinnen ein Foto wählen, auf dem sie besonders hübsch und nett aussehen. Das mag das Foto sein, dass dir am besten gefällt, aber nicht unbedingt das Foto, das den gewünschten Eindruck macht. Willst du hübsch und nett wirken, oder vielleicht doch offen, kompetent, selbstbewusst und motiviert? Welchen ersten Eindruck möchtest du auf den Arbeitgeber machen? 

 

Das Foto in deinem Lebenslauf sollte deine Persönlichkeit widerspiegeln. Man soll spüren können, wer du bist. Das betrifft natürlich auch Make-Up und Kleidung. Wenn du dich gerne und oft schminkst, dann tu das ruhig auch für das Bewerbungsfotoshooting. Achte aber darauf, nicht zu dick aufzutragen. Du gehst ja schließlich nicht zu einer Party, sondern bewegst dich im professionellen Rahmen. Wenn du eher den natürlichen Look bevorzugst, solltest du dich am Bewerbungsfoto nicht überschminken. Ein bisschen Puder empfehle ich dir aber auf jeden Fall, denn das vermeidet, dass deine Haut im Scheinwerferlicht glänzt. 

 

Das gleiche gilt für die Kleidung. Wenn du nicht der Typ für Hosenanzug oder Blazer bist, kannst du auch eine andere businesstaugliche Kombination wählen. Hauptsache, du fühlst dich darin einigermaßen wohl. Ich persönlich bin kein Fan von Hosenanzügen und Blazern, daher wähle ich lieber ein anderes Outfit für Fotos, weil ich weiß, dass dann die Fotos besser aussehen. Überlege außerdem, was zu deinem Teint passt. Ich zum Beispiel sehe in schwarz-weiß Kombinationen auf Fotos oft aus, als wäre ich krank. Wenn du dir unsicher bist, nimm einfach ein paar Kombinationen mit, mach ein paar Testfotos mit dem Fotografen und entscheide dann, was am besten aussieht. 

 

Wichtig ist auch der Wiedererkennungseffekt beim Vorstellungsgespräch. Ich habe es schon erlebt, dass die Person auf dem Foto so komplett anders aussah als die Bewerberin im Vorstellungsgespräch, dass wir uns gefragt haben, ob das überhaupt die gleiche Person ist. Verwende daher keine Fotos, die mehrere Jahre alt sind. Auch wenn wir oft das Gefühl haben, dass wir uns kaum verändert haben, stimmt das leider nicht unbedingt immer. Außenstehende bemerken solche Unterschiede viel leichter als wir selbst. 

Passt das Foto zur Stelle? 

 

Die zweite Tendenz, die ich bei meinen Kundinnen und bei Bewerberinnen bemerkt habe, ist das Aufsetzen einer professionellen Maske. Ich habe Fotos gesehen, die zu einem Geschäftsführer oder Vorstandsmitglied passen würden, aber nicht zu der tatsächlichen Position und Erfahrung der Person. Erst kürzlich hatte eine Kundin, die ich als offen, freundlich und aufgeschlossen kenne, ein Bewerbungsfoto verwendet, auf dem sie ziemlich streng und verschlossen gewirkt hat. Dabei wollte sie wahrscheinlich nur älter oder professioneller aussehen. Professionell zu sein bedeutet aber nicht, dass du deine Persönlichkeit komplett verstecken musst und streng und unnahbar aussehen muss. Lächeln ist nicht verboten und reduziert deine Kompetenz in keinster Weise. 

 

Kein Platz für Statements

 

Wichtig ist auch: keine Statements auf dem Bewerbungsfoto. Politische, religiöse oder sonstige Einstellungen haben hier nichts verloren. Natürlich sind sie Teil deiner Persönlichkeit, aber nicht relevant für deine Jobsuche. Du sollst sie nicht verleugnen, aber nicht extra in den Vordergrund rücken. Was meine ich damit?

 

Hier ein Beispiel: Ich habe ein sehr internationales Team geleitet und auch sehr internationale Bewerbungen bekommen. Darunter ein junges Mädchen mit asiatischen Wurzeln, das aber schon einige Jahre in Deutschland gelebt hatte. Sie hatte zum Lebenslauf ein Foto in A4 Größe hinzugefügt (was ich wirklich nicht empfehle), deshalb waren alle Details sehr leicht sichtbar. Ich konnte nicht fassen, was ich da sah: eine Kette mit Hakenkreuzanhänger! Das geht einfach gar nicht! 

 

Ja, es ist mir bewusst, dass das Swastika ursprünglich ein religiöses Symbol ist und wahrscheinlich trug sie es aus religiösen Gründen, wenn man ihre Herkunft bedenkt. Aber hier hat es nun mal nur die eine Bedeutung und das ist wirklich nicht der erste Eindruck, den man auf einen Arbeitgeber machen will. 

 

Ich glaube, es ist klar, was ich sagen will, oder? Keine Statements im Lebenslauf, egal ob politisch, religiös oder sonst was, und lieber ein Lebenslauf ohne Foto als ein Lebenslauf mit einem unpassenden Foto. 

 

Nochmal zusammengefasst:

Sei du selbst, verstell dich nicht

Sei dir bewusst, auf welche Stelle du dich bewirbst

Geh zu einem Profi oder lasst das Foto weg

Keine Statements und Symbole

Und jetzt los: Ab zum Profi und bitte lächeln!

© 2018 Bettina Árnafjall. Erstellt mit Wix.com.

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Bettina Árnafjall

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