Moderner Lebenslauf - was soll das sein? 

 

Hast du schon mal den Begriff “moderner Lebenslauf” gehört? Ich spreche in meinen Texten immer wieder davon. Da ich im Gespräch mit meinen Kundinnen festgestellt habe, dass viele davon noch nie gehört haben, widme ich dem Thema einen kurzen Artikel. 

 

Der Begriff “moderner Lebenslauf” bezieht sich auf das Design des Lebenslaufs. Inhaltlich unterscheidet er sich nicht wirklich vom “klassischen” Lebenslauf. Es geht vielmehr darum, deine Kenntnisse und Erfahrungen auf optisch ansprechende Art und Weise zu präsentieren. Du kannst einen modernen Lebenslauf chronologisch, verkehrt chronologisch oder funktional gestalten. Es geht hier wirklich hauptsächlich um ein ansprechendes Design. 

 

Mehr Platz auf der ersten Seite 

 

Ein moderner Lebenslauf hat den Vorteil, dass man mit Hilfe von Boxen oder Spalten wichtige Informationen platzsparend auf der ersten Seite des Lebenslaufs platzieren kann. Die gängigste und am einfachsten selbst zu erstellende Variante ist eine Spalte links oder rechts des Dokuments, in der du in Schlagworten deine Sprachkenntnisse, deine Soft Skills oder Anderes anbringen kannst. Du kannst sie auch auf einer Skala von eins bis fünf bewerten, wenn du zwischen deinen Kenntnisständen differenzieren willst. Keine Sorge, es bleibt dabei immer noch genug Platz für deine aktuellste Berufserfahrung. Wenn du ein bisschen geschickt mit Word bist, kannst die Spalte auch noch farblich leicht hervorheben. Das macht optisch gleich viel her. 

 

Was kommt auf die VIP Plätze?

 

Du solltest dir gut überlegen, was die wichtigsten Informationen sind, die du in deine Spalte im modernen Lebenslauf aufnehmen willst. Da Arbeitgeber in der Regel viel beschäftigt sind und Lebensläufe nicht immer bis zum Ende lesen, solltest du diese Chance nutzen und alle wirklich wichtigen Informationen auf die erste Seite packen. 

 

Es sollten die Informationen sein, die deiner Meinung nach ausgesprochen wichtig sind, um deine Qualifikation für diese Stelle hervorzuheben, die du aber sonst nach der Berufserfahrung und Ausbildung auflisten würdest. Hier kannst du wirklich alles reinpacken: Sprachkenntnisse, IT Kenntnisse, Programmiersprachen, spezielle Fachkenntnisse, Weiterbildungen, Zertifikate, Auslandsaufenthalte, freiwilliges Engagement und vieles mehr. 

 

Wenn du besondere Leistungen und Erfolge erzielt hast, zum Beispiel ein Leistungsstipendium, einen Preis oder eine Förderung, solltest du das unbedingt prominent auf der ersten Seite platzieren, weil dich das wirklich von den Mitbewerbern abhebt. Ich weiß, das kommt dir jetzt vielleicht angeberisch vor. So geht es vielen Frauen. Es ist aber wirklich wichtig. Im Bewerbungsprozess musst du dich von deiner besten Seite zeigen und da gehören besondere Leistungen dazu. 

 

Überlege dir genau, was deine Eignung für die Stelle besonders unterstreicht. Den Rest packst du in die Spalte oder Box auf der zweiten Seite. Das Konzept solltest du nämlich auf allen Seiten fortsetzen, weil es sonst nicht einheitlich aussieht. 

 

Die persönliche Note

 

Wenn du grafisch talentiert bist, kannst du natürlich auch den Lebenslauf noch so gestalten, dass er wirklich 100% zu deiner Person passt. Ein moderner Lebenslauf ist üblicherweise optisch auffallend, damit er dem Arbeitgeber gleich ins Auge sticht. Je nachdem wie mutig du bist und wie sehr es zur Stelle, Firma oder Branche passt, kann ein moderner Lebenslauf auch deine Persönlichkeit widerspiegeln. Du kannst zum Beispiel deine Lieblingsfarben einarbeiten, dem Lebenslauf eine weibliche oder peppige Note geben usw. Wichtig ist: eine weibliche Note ist ok, mädchenhaft ist nicht ok. 

 

Besitzt du kein Talent für grafische Gestaltung, ist das auch kein Problem. Bei einer schnellen Googlesuche findest du viele Vorlagen von “business clean” bis feminin angehaucht, je nachdem was zu deinem Stil und - ganz wichtig - zur Branche bzw. zur Position passt. Für Unternehmen in der Mode- oder Kosmetikindustrie kann der Lebenslauf gerne femininer sein, für Banken oder Versicherungen wird das eher nicht passen. Die meisten Vorlagen im Internet sind ziemlich günstig, sodass du dich dafür nicht in Unkosten stürzen musst. 

 

Corporate Branding

 

Die andere Möglichkeit ist, deinen Lebenslauf an die Firma anzupassen. Dafür gehst du natürlich erst mal auf deren Website und studierst das Design. Dann passt du deinen Lebenslauf an die Firmenfarben an. Außerdem wählst du die gleiche oder eine ähnliche Schriftart wie auf der Website. Schließlich kannst du auch noch das Logo der Firma einarbeiten, am besten in der Kopfzeile, damit es auf allen Seiten einheitlich dargestellt wird. 

 

Das Anpassen an das Firmendesign hat zwei Hauptvorteile. Erstens ist es offensichtlich, dass das keine 08/15 Bewerbung ist, sondern dass du Zeit und Mühe hineingesteckt hast, weil dir diese Bewerbung wirklich wichtig ist. Außerdem kommt es auf Seiten der Firma gleich zu einem bewussten oder zumindest unbewussten Wiedererkennungseffekt. Es entsteht sofort ein Zugehörigkeitsgefühl. Eine Kundin, die das Firmenlogo in den Lebenslauf eingearbeitet hatte, wurde bei den Bewerbungsgesprächen mehrmals darauf angesprochen, dass das sofort positiv aufgefallen ist. 

Der Haken an der Sache...

 

Einen Haken kann ein moderner Lebenslauf allerdings haben - und der soll hier nicht verschwiegen werden. Besonders im englischsprachigen Raum gibt es so genannte Applicant Tracking Systeme (ATS). Diese Systeme treffen basierend auf vordefinierten Schlagworten eine Vorauswahl der Bewerber und leiten nur die Lebensläufe an die Personalabteilung oder Vorgesetzten weiter, die auch den vordefinierten Kriterien entsprechen. Das Problem mit modernen Lebensläufen ist dabei die Formatierung. Diese Systeme können oft mit vielen Formatierungselementen nicht umgehen und man riskiert, dass wichtige Teile des Lebenslaufs nicht gescannt werden. 

 

Allerdings haben mir über zwanzig Personaler aus Österreich und Deutschland kürzlich bei einer Karrieremesse bestätigt, dass sie solche Systeme nicht einsetzen und alle Lebensläufe immer noch von Mitarbeitern gesichtet und vorsortiert werden. Wenn du dich also im deutschen Sprachraum bewirbst, besteht dieses Risiko am ehesten bei internationalen Konzernen. Bei Klein- und Mittelbetrieben ist es hingegen äußerst unwahrscheinlich, dass so ein System zum Einsatz kommt. 

 

Wenn du mit deiner Bewerbung wirklich hervorstechen willst, ist ein moderner Lebenslauf genau das Richtige für dich. Er sticht wirklich aus der Masse heraus und kann sehr stark personalisiert werden. In Einzelfällen besteht allerdings das Risiko, dass ein automatisiertes System ihn nicht richtig auswerten kann. Willst du lieber auf Nummer sicher gehen, dann bleib bei deinem bisherigen Format.