Ist ein internes Bewerbungsschreiben sinnvoll?

 

Die Antwort ist: es kommt ganz darauf an. Wenn du dich innerhalb eines Konzerns oder einer größeren Firma bewirbst, ist ein internes Bewerbungsschreiben auf jeden Fall sinnvoll. In großen Firmen hilft es besonders, wenn du dich in einem komplett anderen Bereich oder an einem anderen Standort bewirbst. Selbst wenn interne Bewerbungen oft bevorzugt werden, ist die Tatsache, dass du bereits in der Firma bist, keine Garantie dafür, dass du als die beste Kandidatin wahrgenommen wirst. Da kann ein internes Bewerbungsschreiben sehr nützlich sein. In kleineren Unternehmen, wo sich ein Großteil der Belegschaft kennt, brauchst du das nicht unbedingt - außer es wird darum gebeten. 

 

Dein Ruf eilt dir voraus

 

Viel wichtiger als ein internes Bewerbungsschreiben ist aber dein Ruf in der Firma. Bei internen Bewerbungen ist es wichtig, immer daran zu denken, dass sich die zukünftigen Chefs bei deiner aktuellen Abteilung, der Personalabteilung oder anderen Kollegen nach dir erkundigen werden. Achte also von Anfang an darauf, dir einen guten Ruf aufzubauen. Mit einem schlechten Ruf kann es schwer sein, bei einer internen Bewerbung erfolgreich zu sein. Das Problem von vielen Frauen ist aber meist nicht, dass sie einen schlechten Ruf haben. Leider haben viele Frauen oft keinen Ruf. 

 

Das klingt jetzt im ersten Moment vielleicht schockierend, ist aber leider wahr. Viele Frauen, mit denen ich als Führungskraft, Coach und Mentorin gearbeitet habe, fallen zu wenig positiv auf. Die meisten Frauen machen eine tolle Arbeit, aber außer ihren direkten Kollegen oder Kunden weiß leider oft niemand davon. Das ist nicht hilfreich, wenn du dich intern bewerben willst. Es ist wichtig, über die Grenzen der eigenen Abteilung hinaus positiv aufzufallen. 

 

Ein wichtiger Schritt für eine interne Bewerbung ist daher, früh an deinem Ruf und deinem Netzwerk in der Firma zu arbeiten. Das ist natürlich ein mittel- bis langfristiges Unterfangen, denn ein guter Ruf und ein gutes Netzwerk baut man nicht in zwei Wochen auf. Bei einer internen Bewerbung werden die zukünftigen Chefs wahrscheinlich deine Leistungen und Erfolge der letzten Monate oder des letzten Jahres überprüfen. Wichtiger als ein internes Bewerbungsschreiben ist also das richtige Selbstmarketing. 

 

Fühlst du dich beim Gedanken an Selbstmarketing unwohl? Brauchst du nicht! Es geht hier nicht darum sich in den Mittelpunkt zu drängen und eine Show abzuziehen. Es geht darum, sicherzustellen, dass du, deine Leistungen und deine Erfolge sichtbar sind oder werden. 

Wie kannst du sichtbar werden?

 

Wenn du zum Beispiel in Meetings eher passiv bist und die anderen reden lässt, weil du unsicher bist, deine Meinung zu äußern, solltest du das ändern. Ich habe mehrmals von meinen Mitarbeiterinnen gehört: “Ich sage nichts, weil ich das Gefühl habe, ich kann nichts beitragen.” Sorry, aber das ist kompletter Blödsinn! Du bist Expertin in deinem Bereich und wirst zu dem Meeting eingeladen, weil deine Meinung gefragt ist. Wenn jemand das Gefühl hat, du kannst nichts beitragen, wirst du wahrscheinlich gar nicht erst eingeladen. Sei also mutig und beteilige dich aktiv an Meetings. Selbst wenn du noch recht neu im Berufsleben oder in der Position bist, kannst du Wertvolles beitragen, weil du eine neue Perspektive reinbringst.

 

Besonders abteilungsübergreifende Meetings sind eine ausgezeichnete Gelegenheit für unaufdringliches Selbstmarketing. Dort besprichst du mit verschiedensten Funktionen ein Sachthema in dem du dich auskennst. Du kannst also dein Wissen und deine Meinung zu einem konkreten Thema beitragen, ohne dich künstlich in den Mittelpunkt zu drängen oder profilieren zu müssen. Kollegen aus anderen Abteilungen lernen dich und deine Kompetenz kennen und so entwickelt sich dein abteilungsübergreifendes Netzwerk ganz von selbst. Das ist für interne Bewerbungen wichtig, denn du weißt ja nicht, wen zukünftige Chefs kennen und zu Erkundigungen heranziehen. 

Kennt dich das Management?

 

Ein zweiter wichtiger Punkt ist, auch beim mittleren oder höheren Management bekannt zu sein. Das sind die Chefs oder Kollegen von deiner Führungskraft oder die Geschäftsleitung. Ein guter Ruf auf Führungsebene ist sehr wichtig, denn Führungskräfte verlassen sich oft eher auf das Urteil von anderen Führungskräften als auf das von anderen Mitarbeitern. 

 

Wie funktioniert das? Ich habe persönlich beobachtet, dass Männer tendenziell eher bei Firmenfeiern oder sonstigen Gelegenheiten aktiv an Führungskräfte herantreten, um sie mit ihrem Wissen zu beeindrucken. Ohne jetzt in Klischees verfallen zu wollen, ist mir aufgefallen, dass diese Herangehensweise vielen Frauen oft eher unangenehm ist. Wenn das bei dir der Fall ist, musst du nach anderen Wegen suchen, beim Management aufzufallen. Das geht zum Beispiel über Projekte oder Aufgaben, die dem Management wichtig sind. Bei solchen Aktivitäten berichtest du oft direkt ans Management und kriegst so die Chance, deine Kompetenzen zu zeigen. Das kann bei internen Bewerbungen sehr nützlich sein. 

 

Du darfst auf deine Erfolge ruhig stolz sein! 

 

Wenn du in deiner aktuellen Position eine gute Leistung erbringst, gibt es keinen Grund zu falscher Bescheidenheit. Sprich über deine Leistungen. Ich meine nicht, dass du anderen ein Ohr abschwatzen sollst. Das kann schnell nerven. Informiere die richtigen Leute (und dazu gehört natürlich deine Führungskraft) über deine Fortschritte und Erfolge. Zu Erfolgen gehören auch kleinere Meilensteine, die du erreicht hast, oder Probleme, die du gelöst hast. Mache deine Leistungen bekannt. 

 

Wenn du in einem Projektteam bist, stelle sicher, dass alle wissen, woran du arbeitest und was du erledigt hast. Projektmanager freuen sich immer über proaktive Informationen und vielen Teammitgliedern geht es da genauso. In anderen Rollen kannst du zum Beispiel deinen Kollegen erzählen, wie du ein Problem gelöst hast. Das kann ihnen einerseits bei ihrer Arbeit helfen, andererseits hilft es dabei, deinen Ruf als kompetente Mitarbeiterin zu etablieren. Das hilft dir ungemein bei einer internen Bewerbung. 

 

Bloß nicht jammern!

 

Wahrscheinlich denkst du über eine interne Bewerbung nach, weil du in deiner aktuellen Position unzufrieden bist. Wenn du bereits an dem Punkt bist, wo du dich intern bewerben willst, ist die Unzufriedenheit wahrscheinlich schon sehr groß und du hast mit anderen darüber geredet. Das ist auch in Ordnung. Es ist wichtig, Themen anzusprechen, die einem nicht passen. Aber es ist auch extrem wichtig, nicht kontinuierlich zu jammern. 

 

Niemand will Mitarbeiter, die ständig nur negativ sind. Ein negativer Ruf verbreitet sich schnell und weit, denn wir Menschen haben die Tendenz, fünfmal mehr über negative als über positive Erlebnisse zu sprechen. Achte daher darauf, nicht ständig zu jammern. Das wird dir bei einer internen Bewerbung nicht helfen. 

Zurück zum internen Bewerbungsschreiben

 

Ein internes Bewerbungsschreiben unterscheidet sich nicht großartig von anderen Bewerbungsschreiben. Der größte Unterschied ist: du solltest erklären, warum du Abteilung wechseln willst und was dich an der neuen Abteilung oder Position besonders interessiert. Deshalb solltest du wie immer ein bisschen Recherche betreiben. Lies dir die Stellenbeschreibung gründlich durch und identifiziere die Teile, die dich am meisten interessieren. Kontaktiere Kollegen oder Zuständige in der Personalabteilung oder der neuen Abteilung, um mehr über die Position zu erfahren. 

 

Für ein internes Bewerbungsschreiben ist es auch wichtig, konkrete Erfahrungen aus den letzten Monaten oder Jahren in der Firma aufzugreifen, die für die neue Stelle relevant sind. Die Beispiele sollten untermauern, was du erreicht hast und wie du es erreicht hast. Beschreibe deine Erfolge kurz und stelle sicher, dass jemand in deiner aktuellen Abteilung sie bestätigen kann. Du kannst auch bestimmte Ansprechpartner nennen, damit deine Aussagen leicht verifiziert werden können. 

 

Wenn es in deiner Firma ein Leistungsbeurteilungssystem gibt und du gute Bewertungen gekriegt hast, kannst du das auch in ein internes Bewerbungsschreiben einbauen. Bei internen Bewerbungen reden die verschiedenen Abteilungen immer miteinander und werden sich mit Sicherheit deine Bewertungen ansehen. Du kannst also ruhig stolz auf eine gute Bewertung sein und sie im internen Bewerbungsschreiben ansprechen. 

 

Ein guter Ruf und ein internes Bewerbungsschreiben sind also die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche interne Bewerbung. Wenn du dir unsicher bist, wie du dich am besten präsentieren sollst, kontaktiere mich und ich helfe dir gerne.